Amour et gloire au Coeur de Jésus!  Ehre, Liebe, Sühne dem Herzen Jesu!
Eine Schwester erzählt...

Zeugnis unserer Sr. Anne-Madeleine (Schwyz) - ein Impuls über das gottgeweihte Leben

Gemeinsam mit Ihnen möchte ich mir ein paar Gedanken zum gottgeweihten Leben machen. Seit dem vergangen 30. November [Anm.: 2014] ist das Jahr des gottgeweihten Lebens eröffnet. Was bedeutet das gottgeweihte Leben für die Kirche, was bedeutet es für uns?

Für uns als getaufte Christen gilt zunächst allen der Anruf Jesu, in unserem Leben die Vollkommenheit anzustreben, denn er wünscht von uns: "seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist!" Er fordert seine Jünger auf, täglich ihr Kreuz auf sich zu nehmen und ihm nachzufolgen.

Nun gibt es aber auch einen Anruf Jesu zur besonderen, engeren Nachfolge. Er ruft die ersten Apostel am See Genezareth: "Kommt und folgt mir nach!". Er ruft Levi von der Zollbank weg: "Komm und folge mir!" Er lädt den reichen Jüngling ein: "Geh, verkaufe alles, was du hast, gib das Geld den Armen und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben. Dann komm und folge mir nach."
Dieser Ruf Jesu zur engeren Nachfolge ist kein Beruf, sondern eine Berufung. Er ist ein Geschenk, das aus der Tiefe des Herzens Gottes hervorbricht. Denn warum beruft Jesus Menschen, ihm zu folgen? - Weil er sie liebt, weil er durch sie zu allen Zeiten sein göttliches Reich in den Herzen der Menschen anbrechen lassen will. Dies ist ein tiefes Geheimnis, über das der Berufene sein ganzes Leben hindurch nur staunen kann und das er nie durchdringen wird.

Diese Liebe, die Gott in das Herz eines jeden Menschen legt, den er zur Nachfolge einlädt, verlangt eine Antwort. Es steht dem Menschen frei, dieses Geschenk auszuschlagen oder anzunehmen. Wenn jemand den Herrn aber wirklich liebt, so hat das Konsequenzen für sein ganzes Leben. Der heilige Johannes sagt uns: "Wer in ihm bleibt, muss auch leben, wie er gelebt hat." (1 Joh 2,6). Auf nichts anderes weisen uns die drei evangelischen Räte Keuschheit, Armut und Gehorsam hin, die uns das Evangelium als Weg zum vollkommenen Leben aufzeigt. Dies hat zur Folge, dass die gottgeweihten Personen ihr bisheriges Leben aufgeben, um sich durch die Gelübde enger an Jesus Christus zu binden. Durch die Gelübde, die ja kein eigenes Sakrament, sondern eine Vertiefung der Taufe sind, wird der Berufene gleichsam ein zweites Mal mit Christus begraben und zum Leben erweckt, wie wir es von der Taufgnade her kennen.

Wer sich für die Nachfolge Jesu entscheidet, will ihm nicht nur mit der Liebe eines Kindes Gottes antworten, sondern mit einer bräutlichen Liebe, die sich ganz Gott schenkt. Das ist mit dem evangelischen Rat der Keuschheit gemeint. Ich denke, alle Berufenen haben in ihrem Herzen verspürt, wie sehr die Liebe Gottes sie erfüllt. Deshalb folgen sie Jesus in einem ehelosen Leben, um ihm ungeteilten Herzens dienen zu können, um frei zu sein für die Aufgabe, die er ihnen zuteilen will. In einer Begegnung mit belgischen Jugendlichen hat Papst Franziskus sie gefragt: "Wo ist euer Schatz?" - Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. Alle, die Christus mit einem gottgeweihten Leben antworten, haben diese kostbare Perle, wie es im Evangelium heißt, in der Liebe zu Jesus Christus gefunden, für die es sich lohnt, alles aufzugeben, um sie zu besitzen.

Und so kommen wir zum evangelischen Rat der Armut. Wie wir aus den Evangelien wissen, hat Jesus ein Leben der Armut gewählt. Während der Zeit seines öffentlichen Auftretens sagt er zu seinen Jüngern: "Die Füchse haben ihren Bau, die Vögel ihr Nest, der Menschensohn aber hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann." (Lk 9,58).
Das Leben der Armut will uns frei machen von allem unnötigen Besitz, denn alles was wir besitzen, besitzt uns in gleicher Weise.
Der Verzicht auf irdischen Besitz trifft uns in unserem modernen Europa vielleicht härter als anderswo auf der Welt. Ich erinnere mich, vor meinen Eintritt hier ins St. Josefsklösterli, wie ich dieses Loslassen gespürt habe. Als ich zB meine E-Mail-Adresse gelöscht habe, wurde mir ganz stark bewusst, ich gehe diesen Weg, wie das Weizenkorn, das in die Erde fällt und zuerst sterben muss, um zu neuem Leben zu erwachen und Frucht zu bringen. Aber wenn wir schenken, beschenkt Christus uns überreich. Denen, die ihm nachfolgen hat er versprochen: "Wer um meines Namens willen Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder, Äcker oder Häuser verlassen hat, wird ein Vielfaches dafür bekommen und das ewige Leben gewinnen." (Mt 19,29)

Auch den dritten evangelischen Rat, den Gehorsam, hat Jesus in vollkommener Weise gelebt. Paulus schreibt an die Philipper: "Er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz." (Phil 2,8). Warum sollen wir Gott gehorchen? - Weil uns der Gehorsam ganz in den Willen Gottes zurückführt, der unser Heil und unser Leben will. Denn so, wie Gott den Menschen am Anfang geschaffen hat, war es sehr gut, wie wir im Buch Genesis lesen. Deshalb dürfen die gottgeweihten Personen glauben und fest darauf vertrauen, dass sie durch die Hand ihrer Oberen, denen sie im Gehorsam folgen, auf Gottes Weg geleitet werden. 

Ja, eine Entscheidung zur Antwort auf den Ruf Jesu braucht Mut und Ausdauer. Doch gibt es so viele Menschen aber auch das Vorbild der Heiligen, die uns dazu ermutigen, Christus zu folgen. Denken wir an die Worte, die der heilige Papst Johannes Paul II. zu Beginn seines Pontifikats sprach: "Habt keine Angst! Fürchtet euch nicht! Öffnet die Tür weit auf für Christus!" Indem Jesus in diese Welt gekommen ist, um für uns sein Leben hinzugeben, hat er uns seine unendliche Liebe zu uns offenbart. Er hat uns den Beweis seiner Liebe schon längst gegeben.
Deshalb können wir ihm voll Vertrauen auch unser Leben schenken und mit Paulus sprechen: "Ich lebe im Glauben an Jesus Christus, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat." Wir können sicher sein, wenn wir den Weg der besonderen Nachfolge Christi beschreiten, dass Jesus auch zu uns die Worte spricht: "Meine Gnade genügt dir."
Vielleicht fragen sich Menschen, die auf der Suche nach ihrer Berufung sind: Wie kann ich Gottes Ruf erkennen? Es ist klar, dass jeder Berufene auf einem eigenen Weg zum gottgeweihten Leben findet. Mir persönlich hat Jesus gute Voraussetzungen für eine Berufung geschenkt. Ich habe in einer Familie aufwachsen dürfen, in der das Gebet, der Empfang der Sakramente, der Besuch der Hl. Messe zum Leben dazugehörte. Meine ganze Jugendzeit war ich bei den Pfadis tätig, was mich im Glauben sehr bestärkt hat. Doch es gab in meinem Leben einen Zeitpunkt, an dem ich die Liebe Gottes besonders spüren durfte und wusste, dass dieser Ruf mir gilt, dass ich aufbrechen und Jesus folgen soll.
Ich glaube es ist ganz wichtig, die Frage nach dem Lebensweg offen anzugehen, sich nicht von vornherein festzulegen. Immer wieder in Zeiten der Stille und des Gebetes nach den Spuren Gottes im Leben zu suchen und den Heiligen Geist zu bitten, er möge doch die nächsten Schritte des Weges mit seinem göttlichen Licht erhellen. Es tut sicherlich auch gut, so wichtige Entscheidungen in Besinnungstagen oder Exerzitien mithilfe geistlicher Begleitung zu erwägen und zu festigen.

An dieser Stelle möchte ich ein wenig unsere kontemplative Lebensform beleuchten, wie wir sie hier im St. Josefsklösterli oder auch die Dominikanerinnen im Frauenkloster führen. In unserer katholischen Kirche gibt es eine Fülle unterschiedlicher Formen des gottgeweihten Lebens. Die aktiven Ordensgemeinschaften sind Ihnen vielleicht vertrauter, da Sie den Patres, den Brüdern und Schwestern im alltäglichen Leben begegnen können.
Das Leben in der Klausur ist für die Mitglieder der kontemplativen Gemeinschaften eine Hilfe, die Stille und die Ausrichtung auf Gott zu bewahren. Die Klausur ist aber ebenso Ausdruck der radikalen Hingabe an die Liebe Jesu Christi. Durch das Leben in Gebet und Meditation, durch die kleinen Taten der Nächstenliebe, durch das Mittragen der Sorgen und Leiden der Menschen, durch die gemeinsame Arbeit wird der geistige Reichtum der Kirche genährt. Eine Berufung zum gottgeweihten Leben ist ein Geschenk, nicht nur an die einzelne Person, sondern vor allem für die anderen, für die Mitmenschen, für die ganze Kirche.
Der selige Papst Paul VI. beschreibt in einer Ansprache zum 2. Februar 1966: "Die Klausur schließt euch 'Kontemplative' in die Gemeinschaft des mystischen Leibes Christi", der die Kirche ist. 'Sie weist euch sogar einen Platz im Herzen der Kirche zu.' (vgl. ebd.)
So wie der Leib des Menschen ohne das Herz nicht auskommen kann, so ist es auch für die Kirche - ich möchte sagen - lebensnotwendig, dass Gott ihr diese wunderbare Berufung des kontemplativen gottgeweihten Lebens schenkt.
Ein Beweis der Wertschätzung der kontemplativen Ordensgemeinschaften ist uns von Papst Johannes Pau II bekannt, der, wie Sie vielleicht wissen, während der Zeit seines Pontifikats in den Vatikanischen Gärten das Kloster Maria Mater Ecclesiae eingerichtet hat. Zurzeit wird dieses Gebäude von unserem emeritierten Papst Benedikt bewohnt. Die Schwesterngemeinschaften, die dort im Wechsel von drei bis fünf Jahren gelebt haben, hatten zuallererst die Aufgabe mit ihrer Hingabe an Christus den Dienst des heiligen Vaters als Bischof von Rom zu tragen und mit ihrem Gebet zu begleiten.

Auf diese Weise dürfen wir Schwestern hier im St. Josefsklösterli leben, nach dem Vorbild unserer Gründerin, der seligen Mutter Maria von Jesus Deluil-Martiny. Sie lebte von 1841 bis 1884. Die selige Mutter Maria von Jesus war eine glühende Verehrerin des heiligsten Herzens Jesu. Sie war die erste Förderin der Ehrenwache, einer Erzbruderschaft, die 1863 in Frankreich gegründet wurde und die Verehrung des Göttlichen Herzens Jesu im allerheiligsten Altarssakrament zum Ziel hat.
Die selige Mutter Maria von Jesus war betroffen von der Liebe Gottes, die sich im allerheiligsten Altarssakrament ganz den Menschen schenken will, aber so wenig beachtet wird, ja so häufig vergessen oder gar der Gleichgültigkeit und dem Undank der Menschen ausgeliefert ist. Um dieser missachteten Liebe Gottes eine bescheidene Antwort der Dankbarkeit und Sühne entgegenzubringen, gründete sie im Jahre 1873 die Kongregation der Töchter des Herzens Jesu.
Es entspricht unserer Spiritualität, in der Anbetung vor dem eucharistischen Herrn zu verweilen und uns mit dem immerwährenden Opfer Jesu Christi zu vereinen, das ja allen Lob und Dank, alle Sühne und alle Bitten in sich schließt. Wir dürfen hier an dieser Quelle der Gnade schöpfen, aus dem durchbohrten Herzen Jesu, das, wie wir es vom Bild des 'barmherzigen Jesus' kennen, sein Kostbares Blut und Wasser über die ganze Welt verströmen lassen will, zur Reinigung und zum Heil der Seelen.

[...]

An dieser Stelle möchte ich Sie um das Gebet für uns Ordensleute bitten, damit wir die Verpflichtung unserer Berufung immer getreuer leben und damit Gott unser Vater offene und bereite Herzen finde, um Arbeiter in seine Ernte zu senden.

Schließen möchte ich mit einem Wort des seligen Papst Paul VI.:

"Glücklich, was kann euch nach den Worten des hl. Paulus von der Liebe Gottes scheiden?
Glücklich, denn ihr habt den besten Teil erwählt.
Glücklich, denn ihr habt euer Leben der einzigen und höchsten Liebe geweiht.
Glücklich, denn ihr seid die vielgeliebten Töchter der Kirche und nehmt teil an ihren Freuden und Leiden, an ihren Mühen und Hoffnungen.
Glücklich, denn eure Arbeiten, Gebete und Leiden sind nicht verloren: Der Vater, der ins Geheime sieht, kennt sie und wird sie vergelten.
Glücklich, denn ihr habt, wie die selige Jungfrau, das Wort Gottes gehört und befolgt."

Sr. Anne-Madeleine hat am 1. Juli 2018 in Schwyz ihre Ewigen Gelübde abgelegt...

Komm und folge mir nach!

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